150 Jahre Felix Hollenberg

150 Jahre Felix Hollenberg

im Stadthistorischen Zentrum Dinslaken
Sonderausstellung im Museum Voswinckelshof

Sonderausstellung im Museum Voswinckelshof

15.12.2018 – 31.03.2019
Radierer und Maler Felix Hollenberg

Radierer und Maler Felix Hollenberg

Im Ausland gewürdigt und geehrt, doch in seiner Heimat Dinslaken fast vergessen.

hollenberg 2Obwohl Felix Hollenberg mit Max Beckmann und Lovis Corinth, mit Max Slevogt und Käthe Kollwitz von der Kunstwelt in eine Reihe gestellt wird, ist er in Dinslaken, der Heimat seiner Jugend und Adoleszenz, nahezu vergessen und unbekannt geblieben. Obwohl seine Bilder bis ins Fine Arts Museum von San Francisco gelangten und in zahllosen Publikationen abgedruckt und besprochen sind, wird er am Niederrhein weder gewürdigt, noch geehrt. Nicht einmal eine schmale Gasse trägt seinen Namen oder den seiner Familie. Denn neben dem erstrangigen Maler, Zeichner und Radierer Felix Hollenberg ist auch sein Vater August ausgesprochen interessant und bedeutend für die rheinische Geschichte.

Felix Hollenberg war Landschaftsmaler, aber noch wichtiger und wertvoller ist sein graphisches Werk. Er brachte es, fußend auf der Tradition, für den Bereich der Radierung, Ätzung und Schabkunst, der Kaltnadel und des Holzschnitts zu einer einzigartigen Meisterschaft und einem eigenen Stil. Motive dieser Werke sind wiederum der Dinslakener Raum, dann Stuttgart, die Schwäbische Alb und Oberschwaben. Diese Arbeiten entstanden hauptsächlich in den Jahren von 1889 bis 1938. Daneben schuf er Exlibris, Glückwunschkarten und Lithographien. 1918 schätzte er seinen Bestand auf 1000 Ölstudien und Gemälde sowie 3000 Aquarelle und Zeichnungen. Die Drucke der Radierungen gab er 1931 mit 20.000 an. Zahlenmäßig und künstlerisch eindeutig war die Radierung das Mittel, mit dem er seine Intentionen am Besten verwirklichen konnte. „Er hat sie in all ihren vielfältigen Möglichkeiten ausgeschöpft, er hat sie nicht nur verwendet als Technik, sondern auch in ihr gedacht und mit ihr experimentiert“, so beschreibt es Gerhard Gollwitzer im Geleit zur Neuauflage eines von Hollenberg verfassten Buches.

Seit 1912 wurden Felix' Werke in Ausstellungen gezeigt und von Sammlern erworben. In zahlreichen Zeitschriften und Büchern finden sich Reproduktionen und Abbildungen, die allerdings nicht immer seinen hohen Ansprüchen genügten. Einmal erkannte er in der Mappe „Auf Agnes Günthers Spuren“ (Sechs Landschaften aus Langenburg und Umgebung nach Aquarellen von Felix Hollenberg. Stuttgart 1916) seine Aquarelle und Zeichnungen nicht wieder, weil die Reproduktionen derart schlecht waren. Dieses Malheur widerfuhr ihm nicht mit der 1916 erschienenen Festschrift „Württemberg unter der Regierung König Wilhelms II.“ mit zwanzig seiner Zeichnungen.

kiefernwaldWie die Zitate belegen, schrieb Felix eine geschliffene Feder. 1904 geißelte er in „Die Tagwacht“, einer sozialdemokratischen Zeitung, dass durch den Brand im Atelier seines Freundes Otto Reininger dessen Werke vernichtet wurden. Er klagte den Staat an, der zu wenig Mittel bereitstelle, um die Kunstwerke an gesicherter öffentlicher Stelle statt in einem feuergefährdeten Atelier zu lagern. Zeit seines Lebens beschäftigte ihn ein Thema und darüber schrieb er leidenschaftlich: „Über den Heimatbegriff und die Heimatkunst“ (1907 erschienen in der angesehenen Kulturzeitschrift „März“). In dem Aufsatz beklagte er vehement den Verlust der landschaftlichen Schönheit der niederrheinischen Region durch die industrielle Entwicklung:
„Wohin sind die grünen Wiesen, von uralten Wällen und jahrhundertealten Eichen umgeben, mit scheckigem Vieh belebt? Wohin die wogenden Roggenfelder, die so herb dufteten an den feuchtkühlen Frühlingsabenden, wenn der Höhenrauch plötzlich das Land überzog und den Duft der Felder mit seinem beizenden Geruch verjagte?“
Gegen die Titulierung als Heimatkünstler allerdings wehrte sich Hollenberg heftig, denn der Heimatbegriff war ihm durch eine nationalchauvinistische Ideologie überfrachtet und diskreditiert:
„Wie viele Menschen haben heute überhaupt noch eine Heimat? Ist nicht das Wort Heimat für Millionen ein leerer Schall, der nur durch den modernen Begriff ‚Unterstützungswohnsitzberechtigung’ einen kümmerlichen Inhalt bekommt? … Die von Grund auf umgewälzten Verhältnisse des ganzen öffentlichen und privaten Lebens heischen mit Naturgewalt neue Lösungen. Auch die Kunst muss neue Wege suchen. Eine Heimatkunst für Heimatlose bekommt einen stark ironischen Beigeschmack.“

Felix Hollenberg war nicht nur Künstler, er sah sich auch als Lehrer, der seine Kenntnisse und Erfahrungen vermittelte und weitergab. Da keine Schrift vorlag, in der das Handwerkliche des Radierens, Ätzens und Druckens erklärt wurde, fasste er zusammen, was an Technik für einen Künstler wichtig und wissenswert war. Sein anspruchsvoller Leitfaden zum Radieren wurde posthum und in gekürzter Form, dafür bis in die 60-ziger Jahre immer wieder aufgelegt.

Wie sein Vater engagierte sich Felix über seine Profession hinaus. Von 1919 bis 1926 bekleidete er das Amt des ersten Vorsitzenden des Verbandes bildender Künstler in Württemberg. 1920 wurde er in den Vorstand des Reichswirtschaftsverbandes der bildenden Künstler berufen. Man schätzte seine klare Sprache und fürchtete seine scharfe Feder. Sein trockener Humor, sein Sachverstand, seine Uneigennützigkeit und Lauterkeit verschafften ihm große Achtung. Ein typisches Beispiel seines Humors ist seine epochemachende Erfindung des ästhetischen Maßstabs. Das sei ein Zentimetermaß, erklärte er, auf einem recht elastischen Gummiband. Weniger nachgiebig ihm gegenüber reagierten die Nazis. Aus seinen Ämtern wurde Hollenberg „wie ein räudiger Hund“ weggejagt und eine große, aus Anlass seines 70. Geburtstages geplante Ausstellung des Württembergischen Kunstvereins musste nach behördliche Anordnung auf wenige Tage reduziert werden.

 

Der ausführliche Lebenslauf des Künstlers Felix Hollenberg und seine Familiengeschichte finden sich auch als PDF-Download im Aufsatz von Gisela M. Marzin aus dem Jahr 2016:

Schattige Wälder und grünende Felder statt Fabrikschlote und Kohlendunst

Hier finden Sie den gesamten Beitrag als PDF

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