150 Jahre Felix Hollenberg

150 Jahre Felix Hollenberg

im Stadthistorischen Zentrum Dinslaken
Sonderausstellung im Museum Voswinckelshof

Sonderausstellung im Museum Voswinckelshof

15.12.2018 – 31.03.2019
Radierer und Maler Felix Hollenberg

Radierer und Maler Felix Hollenberg

Im Ausland gewürdigt und geehrt, doch in seiner Heimat Dinslaken fast vergessen.

Veröffentlichungen zum 150. Geburtstag von Felix Hollenberg

Zur Ausstellung "Felix Hollenberg" im Stadthistorischen Zentrum Dinslaken, im Museum Voswinkelshof vom 15. Dezember 2018 bis 31. März 2018, wird ein umfangreicher Katalog erscheinen. Als Einstimmung darauf und vor allem zur Dokumentation von Hollenbergs engen Beziehungen zu Dinslaken hier zwei "Appetithappen" aus dem Aufsatz von Gisela Marzin über die Familie Hollenberg, Technische Präzision und Kulturelle Begabungen:

1.

felix hollenberg mit vater 1890Der Vater, geprägt vom Verständnis für technische Zeichnungen, weckte bei seinem Sohn Felix das Interesse für Kunst und gab ihm bereits in jungen Jahren „erste Anleitung im Zeichnen und Aquarellieren.“ Nachhaltig beeindruckte ihn die Radierung von Rubens „Alte Frau im Licht“, die er „als Knabe von 8-9 Jahren“ in einer Zeitschrift sah. „Das Radieren ist mir seit der Zeit nicht mehr aus dem Kopf gekommen,“ behauptet Felix später. Als Fünfzehnjähriger besuchte Felix das Kölner Wallraf-Richartz-Museum und war beeindruckt „echte, von Hand gemalte Ölgemälde“ zu sehen. Er begann nach der Natur zu zeichnen, ein Jugendfoto zeigt ihn mit Staffelei und Farben in der freien Landschaft sitzend. „Die Ölmalerei/betrieb ich bald - so damals, wie heute - "auf eigene Rechnung/u. Gefahr", indem ich mir beim Spezereihändler Farben und Salatöl/holte und "Bilder" malte, von denen sich manche bis heute sehr gut/gehalten haben. Eine einfache Technik scheint also die erste Grund/Bedingung der Dauerhaftigkeit zu sein. Bald begann ich auch mit/ dem Radieren. Aus der Bibliothek des Centralgewerbevereins in/Düsseldorf bezog ich Bartsch's Anleitung zur Kupferstichkunst, in/der das technische Verfahren der verschiedenen Sticharten recht gut be/schrieben war. Es wurden danach Platten vorbereitet, Ätzgrund und Ätzwasser gemacht, grundiert, radiert, geätzt und sogar selbst/gedruckt.

MZ 2 hollenb Portrait 007Als Druckmaschine diente eine kleine Walzpresse/die versuchsweise zum Entwässern von Tabakblättern gebaut war./Die Ergebnisse meiner ersten Radiertätigkeit waren natürlich/äußerst bescheiden. Später kamen mir die Versuche aber doch sehr/zu statten“, schrieb Felix 1916 rückblickend an den rheinischen Schriftsteller Wilhelm Schäfer.

Abb. 1: Felix Hollenberg und sein Vater August. StA Dinslaken, Vorlass Hartmut und Ursula sowie Brigitte Hollenberg.
Abb. 2: Felix Hollenberg mit seiner Staffelei

2.

Villa KalleFelix Hollenbergs Werk war von Landschaftsdarstellungen geprägt, unterbrochen nur durch wenige Ausnahmen. Die Bohrhütte bei Einbruch der Nacht gehört dazu und ist im Kontext der Aktivitäten von August Thyssen in Dinslaken zu sehen. 1896/97 beauftragte August Thyssen den 28jährigen Ingenieur Julius Kalle mit dem Aufbau eines Walzwerks in Dinslaken, das bald erfolgreich arbeitete. Bei seinen Besuchen in Dinslaken wurde Felix also immer wieder an das Scheitern des väterlichen Walzwerks erinnert, dessen Konkurs große Not über die Familie gebracht hatte.

In den 1880er Jahren erwarb August Thyssen neue Grubenfelder und entfaltete eine raumgreifende Bohrtätigkeit. Die Ergebnisse der Probebohrungen in Unterlohberg zeigten 1900 und  1901 so günstige Ergebnisse, dass eine Doppelschachtanlage geplant wurde, die 1905 in die notariellen Gründung der Gewerkschaft Lohberg mündete. Das Aussehen des Bohrturms für diese Probebohrung überlieferte Felix Hollenberg in der genannten Radierung aus dem Jahr 1900. Um 1905 begann die Errichtung einer Gartenstadtsiedlung nach englischem Vorbild für die Arbeiter auf der Zeche.

hollenberg bohrhütteWegen ihrer historischen Architektur steht die Siedlung zwar heute unter Denkmalschutz, doch Felix beschrieb sie 1907 als„schmutzige Arbeiterwohnungen, [die] in der traurigsten Monotonie aneinandergereiht, ganze Straßenzüge füllen“. Weiter schrieb er: „Nicht nur weil [...], nein, besonders auch durch die im schauerlichsten Baugewerkschulstil erbauten Villen der reich gewordenen Leute. Denn die ästhetische Entwicklung ihrer Besitzer ist um viele Pferdelängen hinter der finanziellen zurück geblieben.“ Dies ist eine Spitze gegen den Fabrikdirektor Julius Kalle, der sich neben dem Walzwerk eine Villa errichtet hatte. Die Veränderungen im Ruhrgebiet beschleunigten letztlich Felix‘ Ablösung von seiner „ersten“ Heimat.

Abb. 3: Villa Kalle. StA Dinslaken, IV-11-674

Abb. 4: Bohrhütte bei Nacht. Stadthistorisches Zentrum Dinslaken, Sammlung Hollenberg

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Stadtarchiv | Museum Voswinckelshof

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